Einführung in die Waldorfpädagogik
Die Wald
orfpädagogik, welche ihre Wurzeln ursprünglich in Deutschland hatte, ist heute ein vollständiges und unabhängig operierendes Bildungssystem dessen Anwendung bereits seit mehr als 80 Jahren praktiziert wird. Der österreichische Wissenschaftler und Bildungsexperte Rudolf Steiner (1861-1925) ist der Begründer der Waldorfpädagogik. Er plädiert für einen völlig neuen Menschheitsgeist und völlig neue Bildungsideen. Steiner glaubt, dass die Probleme, welche aus unserer industrialisierten Gesellschaft entstehen sich nicht auf der rein materiellen Ebene lösen lassen werden – stattdessen müssen wir die Art unseres Denkens und die Natur unserer Bildung verändern. Eine zivilisierte Gesellschaftsordnung kann nur durch eine harmonische Entwicklung des Menschen, der Gesellschaft und des Kosmos erreicht werden. Daher sollte sich die Bildung auf den Menschen konzentrieren, ihn dabei leiten, sein wahres Selbst zu finden, seine angeborene Weisheit zu suchen und seine Urteilskraft gegenüber dem Leben und sich selbst zu erwecken. So kann seine Richtung und seinen Sinn im Leben finden.
Als eine nicht-religiöse, unabhängige Bewegung entwickelt sich die Waldorfpädagogik schon seit mehr als 90 Jahre. In Europa hat sie bereits einen Zustand gewisser Reife erreicht, in Nord- und Südamerika sowie dem südlichen Pazifikraum entwickelt sie sich noch lebhaft. In den vergangen Jahrzehnten dann begann sie sich auch in Japan, Thailand, Nepal, Indien, Vietnam und Taiwan auszubreiten. Laut von den „Freunden der Erziehungskunst“ im Jahr 2000 erhobenen Statistiken gibt es momentan weltweit 876 Waldorfschulen und 2000 Waldorfkindergärten. Als eine alternative Bildungsart wird die Waldorfpädagogik von der UNESCO voll anerkannt und unterstützt. Außerdem sind einige Waldorfschulen auch Mitglied im internationalen Bildungsnetzwerk der UNESCO.
Die Waldorfpädagogik konzentriert sich auf das Wesen des Menschen und hat sich das Ziel gesetzt, ein harmonisches und natürliches soziales Umfeld zu schaffen. Indem wir gesunde und natürliche Mittel einsetzen streben wir eine ganzheitliche, dreigliedrige Entwicklung der Kinder von Wollen (Körper), Fühlen (Geist) und Denken (Bewusstsein) an.
Wir wollen die Allgemeine Menschenkunde in eine kreative Verbindung mit Kunst, Handwerk, Bewegung und Musik führen, im Gleichgewicht mit Chinesisch, Mathematik, Naturwissenschaften und sozialer Aktivität, um eine ausgewogene Entwicklung des Kindes von Kopf, Geist und Körper zu fördern. Im Zuge eines Entwicklungsprozesses des Kindes von Aufrichtigkeit, Schönheit und Wahrheit soll die Waldorfpädagogik den Kindern dabei helfen, ihr eigenes Potential zu erkennen und ihr Streben nach Freiheit zu entwickeln. Sie sie zu kreativen, praktischen und verantwortungsbewussten Menschen erziehen. So können sie in Zukunft ihre Fähigkeiten und ihre Persönlichkeit in den Dienst der Entwicklung unserer Welt stellen.


